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Dokumen­ta­r­film­reihe „One World Berlin: Menschen­rechte aktuell“ beginnt Herbst­pro­gramm mit „Zustand und Gelände“ und „Dear Future Children“

24. September 2021
Ort:Lichtblick-Kino
Datum: Samstag, 25. September 2021

Mit den Dokumentarfilmen „Zustand und Gelände“ und, noch vor dem Kinostart, „Dear Future Children“ beginnt unser „One World Berlin: Menschenrechte aktuell“-Filmprogramm.

Samstag, 25. September 2021, 18:00 Uhr

Zustand und Gelände (Deutschland 2019)
Regie: Ute Adamczewski

Ausgangspunkt des Films sind sogenannte wilde Konzentrationslager, die unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ab März 1933 zur Ausschaltung politischer Gegner*innen eingerichtet wurden und heute weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Der Film verknüpft drei aufeinanderfolgende Zeiträume der deutschen Geschichte zu einem losen Narrativ, in dem Gewalt zur Durchsetzung von Macht eine wesentliche Rolle spielt.

Bilder von Straßen, Wohnhäusern, Schlössern und Burgen aus Sachsen treffen auf aus dem Off verlesene bürokratische Briefwechsel, Tagebucheinträge, literarische Fragmente. Zu Beginn entstammen sie dem Jahr 1933, kreisen thematisch um die Suche nach, später die Organisation von Schutzhaft- und Konzentrationslagern, der Unterdrückung bzw. dem Widerstand der politischen Opposition, von traumatischen Erfahrungen. Nach und nach kommen neue Zeitschichten hinzu – 1945, 1977, 1990, 2011 – und mit ihnen Diskurse der Erinnerungskultur – der Repräsentation dieser Ereignisse, der Etablierung von Denkmälern, der Definition des Begriffs „Opfer des Faschismus“.

So erzählt Zustand und Gelände nicht nur von Orten, die im Nationalsozialismus gleich zu Beginn Teil einer netzartigen faschistischen Infrastruktur wurden, sondern die später – nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Ende der DDR, in der gesamtdeutschen Gegenwart der NSU – umkämpfte Räume einer Deutungshoheit von Geschichte und Legitimation politischer Linien wurden.

Daraus entsteht das drückende Gefühl eines Insistierens der Vergangenheit auf eine Gegenwart, wird Geschichte als Ge-schichtetes begreifbar, in jedem Bild potenzieren sich die Zeitpunkte und Zeiträume und beharren auf ihr Jetzt. Zustand und Gelände wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Goldenen Taube, dem Höchstpreis des renommierten Festivals DOK Leipzig.

 

Anschließend Filmgespräch mit Ute Adamczewski , moderiert von Axel Bussmer (Humanistische Union Berlin-Brandenburg)

Mittwoch, 06. Oktober 2021, 20:00 Uhr

Dear Future Children (Deutschland/Großbritannien/Österreich 2020)
Regie: Franz Böhm

 

Rauch auf den Straßen der chilenischen Hauptstadt Santiago, die Gesichter junger Menschen verdeckt von Gasmasken. Ein schier anarchistisch anmutender Protestaufzug für soziale Gerechtigkeit, opponiert von massiver Polizeigewalt. Es folgt Uganda, wo Unmengen an Plastikmüll in den Gewässern treiben. Ein Protestzug junger Menschen in natur-grünen Oberteilen lässt ihre emotional geladenen Stimmen für den Klimaschutz durch die Stadt hallen. Anschließend leiten schrill dröhnende Polizeisirenen in eine Hongkonger Nacht über. Inmitten der von Neonlicht erleuchteten Gassen eilen Reporter*innen in reflektierenden Westen den brutalen Geschehnissen hinterher. Junge Aktivist*innen und schwer bewaffnete Polizist*innen prallen aufeinander.

Vereint sind diese Geschehen im Aufruhr der jungen Bevölkerung mit dem Willen, die Gegenwart zu verändern und eine lebenswerte Zukunft zu schaffen. Dear Future Children widmet sich einer Betrachtung dieser Jugendbewegungen und erzählt die Geschichten dreier junger Aktivistinnen aus Chile, Uganda und Hongkong in einer durchgehenden Parallelmontage. Mit den Geschichten dieser Bewegungen

reflektiert der Film in intensiver Betrachtung den rebellischen Puls der Zeit, in welcher sich engagierte und ideenreiche junge Menschen dazu entschließen die Welt zu verändern. All dies inmitten eines Zeitalters, welches es ermöglicht, millionenstarke Bewegungen innerhalb weniger Wochen zu etablieren.

Gleichzeitig etabliert sich der Aktivismus auch als unscheinbarer Antagonist im Film. Der Film reflektiert dieses wie ein zweischneidiges Schwert: Die Entscheidung zur Teilnahme an Protesten bringt Hassbotschaften, enorme Risiken und eine unberechenbare öffentliche Präsenz in die Leben der jungen Protagonistinnen. Zum Wohle ihrer eigenen Zukunft, sind die Akteur*innen der Protestbewegungen jedoch zum Handeln gezwungen.

Anschließend Filmgespräch mit Chiu Kit Lam (Gründungsmitglied von Hongkonger in Deutschland e.V), moderiert von Axel Bussmer (Journalist, Humanistische Union Berlin-Brandenburg)

 

Zur Reihe

One World Berlin – Menschenrechte aktuell – die monatliche Filmreihe im Lichtblick-Kino, mit Dokumentarfilmen über Bürger- und Menschenrechte. Filmemacher*innen und Expert*innen diskutieren mit dem Publikum über Fragen, die Menschen in der Stadt bewegen, lokal und global: , Rassismus und Diskriminierung, Überwachung und Datenspeicherung, Teilhabe an einer gerechten Gesellschaft – Menschsein und Menschenrechte in der digitalen Welt.

Die Filmreihe versteht sich auch als Plattform für Berliner Bürger- und Menschenrechtsinitiativen, die zu den in den Filmen verhandelten Fragen arbeiten.

Die Filmreihe wird organisiert von der Humanistischen Union, Deutschlands ältester Bürgerrechts-Organisation (mitbegründet von Fritz Bauer), One World Berlin Human Rights Film Festival, das sich seit 2004 durch Menschenrechts-Filmarbeit engagiert, und dem Lichtblick-Kino.

 

Veranstaltungsort und Karten:

Lichtblick-Kino, Kastanienallee 77, 10435 Berlin https://www.lichtblick-kino.org/
Tickets nur bei kinoheld.de

 

Zu den Filmen:

Homepage von „Zustand und Gelände“: https://grandfilm.de/zustand-und-gelaende/

Vision Kino über „Zustand und Gelände“: https://www.visionkino.de/filmtipps/filmtipp/zustand-und-gelaende/

Homepage von „Dear Future Children“: https://dearfuturechildren.com/

Wikipedia über „Dear Future Children“: https://de.wikipedia.org/wiki/Dear_Future_Children